Acht Winde

Ich neige mein Haupt vor dem Himmel in den Himmel,
haarfeine Strahlen erhellen das Universum.
Die Acht Winde können mich nicht bewegen,
ich sitze still auf dem purpurgoldenen Lotus.

Die Acht Winde in diesem Gedicht beschreiben Lob, Tadel, Ehre, Schande, Gewinn, Verlust, Freude und Kummer. Diese zwischenmenschlichen Kräfte treiben die materielle Welt an und beeinflussen die Herzen der Menschen. Dongpo war der Meinung, er habe eine so hohe Stufe der Erleuchtung erlagt, dass diese Kräfte ihn nicht mehr berühren könnten.

Von sich selbst beeindruckt, schickte Dongpo einen Diener, um das Gedicht zu Foyin zu tragen. Er war sich sicher, dass sein Freund ebenso beeindruckt wäre wie er. Als Foyin das Gedicht las, schrieb der Zen-Meister „Furz“ auf das Manuskript und ließ es an Dongpo zurückgehen. Dieser war entsetzt, als er sah, was der Zen-Meister geschrieben hatte. Er explodierte: „Wie kann er mich so beleidigen, dieser lausige alte Mönch? Er hat mir eine Menge zu erklären!“ Voller Empörung bestellte er eine Fähre, um so schnell wie möglich ans andere Ufer kommen. Dort angekommen, sprang er aus dem Boot und stürmte in den Tempel. Er wollte Foyin finden und eine Entschuldigung fordern. Doch Foyins Tür war verschlossen und an der Tür war ein Stück Papier mit den folgenden zwei Zeilen befestigt:

Die Acht Winde können mich nicht bewegen,
aber ein Furz blies mich quer über den Fluss.

Dongpo fühlte sich kalt erwischt. Foyin hatte seinen hitzköpfigen Besuch erwartet! Aber Dongpos Ärger verschwand sofort, als er die Absicht seines Freund verstand. Wenn er wirklich ein Mann der Erleuchtung wäre, völlig unberührt von den Acht Winden, wie konnte er sich dann so leicht provozieren lassen? Beschämt, aber weiser, ging Su Dongpo still nach Hause.

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